Hoch hinaus - Tag 4

07.08.2019
choriosity

Tag 4 begann meinem Gefühl nach eigentlich ganz ruhig. Ich gähnte und streckte mich erstmal. Wir hatten den Vormittag frei und trafen uns erst gegen 14 Uhr am ExCel, also konnte ich auch noch fünf Minuten länger liegen bleiben - oder etwa nicht? Meine Gähn-und-Streck-Übungen wurden jedoch sehr schnell von hektischen Zimmergenossinnen unterbrochen, die in Windeseile ihre Taschen packten und nach draußen verschwanden. „Wir wollen was von London sehen - JETZT!!“, riefen sie mir noch zu, bevor ich nur noch eine große Staubwolke sah.

Nun, Oma ist kein D-Zug, kommt erstmal in mein Alter, etc etc. Mit zwei Freundinnen spazierte ich also ganz entspannt Richtung „ Shakespeare’s Globe Theater“, das nur zehn Minuten von unserem Hostel entfernt liegt. Dort entschieden wir uns für eine Führung durch das Gebäude, beobachteten Schauspieler bei ihren Proben für das nächste Stück und bestaunten die wirklich detailgetreu gestaltete Nachbildung des damaligen Theaters. Nach einem Kaffee ließen wir den Vormittag auf dem Deck eines Ausflug-Schiffs ausklingen, bei schönem und für England sehr untypischem Wetter: Sonnenschein.

Mit der U-Bahn ging es schließlich zum ExCel-Gelände. Hier sangen wir eine halbe Stunde frei in einem der Hallen und erfreuten damit viele Zuschauer, die uns auf der Bühne vielleicht noch nicht gesehen haben. Die Pause danach nutzten wir, um die letzten Postkarten für euch, liebe Leser, liebevoll zu beschriften und zu verschicken. Anschließend probten wir unseren Auftritt für die Closing Show am Mittwoch, besprachen letzte Details und optimierten den Klang auf der Bühne mit einem Soundcheck.

Nach der Probe hatten wir den Abend frei, der sehr erstaunlich begann.
Ich entschied mich für eine Fahrt in der Seilbahn.
Klar, für euch mag das nicht so erstaunlich klingen. Ich habe jedoch dermaßen Höhenangst, dass ich nicht mal auf einem Hocker stehen kann, wenn das Küchenregal mal doch etwas zu hoch liegt. Aber die Mädels sagten, die Seilbahn würde sicherlich viel Spaß machen, außerdem sei man gleich an der richtigen U-Bahn-Station für die Weiterfahrt. Das klang für mich sehr praktisch und nachvollziehbar. Also setzte ich mich mit den anderen in eine Kabine und freute mich über diese bodenständige Lösung. Leider war diese Fahrt überhaupt nicht bodenständig. Es ging plötzlich hoch hinaus, durch den Wind schwankte das Gebilde wie ein betrunkener Matrose und ich bekam richtig Muffensausen. Doch die Sonne zwischen den Wolken und wir über London….das war so hübsch anzuschauen, dass ich plötzlich meine Angst vergaß. Und da begriff ich: Das ist was wir im Chor eigentlich immer tun. Wir inspirieren die anderen zu Dingen, die wir allein nicht machen würden - oder könnten. Dadurch wachsen wir über uns hinaus und lernen.

Den restlichen Abend wandelten wir durch das abendliche London - zuerst auf den Spuren von Jack the Ripper, durch enge Gassen, vorbei an zwielichtigen Ecken und Kneipen. Dann später, saßen wir in einer weniger zwielichtigen von letzteren und redeten über Gott und die Welt bei Pommes und Cider. Ein sehr ereignisreicher Tag ging zu Ende mit vielen Erkenntnissen, bei guten Freunden und tollen Gesprächen. Was will man mehr! :)

Liebe Grüße zu euch nach Hause,
Eure
Anna