Choriosity Jahresrückblick 2019

31. December 2020
Laura Winter (Laura)

Obacht! Aufgepasst! Wichtige Durchsage!

Es ist nicht mehr viel Zeit den Raclette-Ofen von den gesammelten Käseresten 2018 zu befreien. Die Tischfeuerwerke in der Lidl-Angebotschütte lichten sich, die Bleigieße-Sets sind beinahe vergriffen, die Sendetermine von “Dinner for One” sind inzwischen bekannt, und ich hoffe, dass Ihr Euch inzwischen entschieden habt, mit wem die Silvesternacht verbracht wird (und dass die damit verbundenen diplomatischen Verwicklungen zivil aus der Welt geräumt werden konnten).
Es ist nicht zu leugnen und nicht abzuwenden: Silvester steht vor der Tür und 2019 ist ein Auslaufmodell. Es ist jetzt die Zeit der Tagesschau-Jahresrückblicke, der salbungsvollen Editorials, der Firmen-Jahresberichte und auch wir versuchen nun, einen unterhaltsamen Hybriden all dieser schwer verdaulichen Text-Unformen zu schaffen.

Viel ist passiert, so viel, dass ich mir nicht alleine zutraue, allen Ereignissen und Veranstaltungen gerecht zu werden. Im Folgenden berichten also verschiedenste Chormitglieder aus ihren jeweiligen Perspektiven, wie sie 2019 mit Choriosity erlebt haben.

Es wird ein Rückblick auf ein buntes, volles, abwechslungsreiches, forderndes und unfassbar spaßiges Chor-Jahr. Nehmt Platz, schnallt euch an und genießt einen wilden Ritt durch die Schandtaten, die Euer A-Capella-Pop-Chor-im-CVJM-Ulm dieses Jahr begangen hat:

Das war Choriosity 2019.

GOTTESDIENSTE

Januar - der Neujahrsgottesdienst der Diakonie in Blaustein war der erste Auftritt im neuen Jahr, und für Tessa sogar ihr allererster mit Choriosity.

„Die Akustik in der Kirche ist mir noch sehr gut in Erinnerung geblieben, ich fand es hörte sich mega gut an. Ich habe damals glaube ich nur „Nearer my god to thee“ mitgesungen, da ich die anderen Lieder noch nicht so gut kannte. Ich erinnere mich an das Lob, das ich bekommen habe dafür, dass ich nach so kurzer Zeit zum Auftritt mitgekommen bin. Auch zum ersten Mal im Chordress zu kommen war ein schönes Gefühl, eben Teil etwas tollen Ganzen zu sein. Ich kann mich noch an die vielen strahlenden Gesichter der Organisatoren und die leckeren Häppchen danach erinnern :-)“

Im Jahresverlauf durften wir immer wieder bei Gottesdiensten auftreten, einmal beim Hochschulgottesdienst, einmal bei YoungCaritas im Rahmen der 1-Millionen-Sterne-Aktion. Für unser Repertoire ist das auch immer eine Herausforderung, aber wir freuen uns, den Gottesdienst durch das ein oder andere inbrünstige „Nearer my God to thee“ für die Besucher zum Erlebnis zu machen.

VISIONSWOCHENENDE PETERSTHAL / CHORIOSITY-ORGA

Was ist ein Visionswochenende? Ein von Monty etabliertes Wochenende weit weg von Ulm (1h die A7 rauf) mit allen Chormitgliedern, die Lust haben, vorzudenken was ihr Chor ist und was er vielleicht werden soll. Die „Abgeordneten“ trafen sich im Allgäu in Petersthal, im Begegnungshaus unserer CVJMs. Sie trotzten eisiger Februar-Kälte und stellten sich diversen schwierigen Aufgaben...

„Wir haben einen Jahresplan erstellt und in kleineren Zirkeln gebrainstormt zu verschiedenen Themen: Merchandise, Integration neuer Sänger, Aufgabenverteilung im Chor. Im Jahresverlauf konnten wir einige Ideen umsetzen, andere sind im Sand verlaufen. Toll funktionieren das Management der kommenden und gehenden Sänger, die Etablierung von Probenpausen und auch auf unser Merch sind wir besonders stolz; das für das Publikum, und auch z.B. unsere neuen Pullis, die nur die Chorsänger bekommen.

Außerdem gab es richtig viel Schnee und wir wurden fast von Eiszapfen erschlagen. Und wir wissen jetzt, dass man die Schneeketten am Auto vorne - nee halt... warte - wo nochmal - ja wo halt der Antrieb ist aufziehen muss.“

Sophia & Lisa (aus naheliegenden Gründen wollte Lisa nicht, dass ihr der Part mit den Schneeketten persönlich zuzuordnen ist.)

Einen Chor mit 120 aktiven Mitgliedern (und inzwischen wahrscheinlich ebenso vielen Ehemaligen) zu managen, ist oft harte Arbeit. Unter Montys Leitung und mit seiner Unterstützung geschieht dies in verschiedenen Teams, die im Jahresverlauf ihren Themen nachgehen: Die Organisation von Events, Musikalische Leitung, Betreuung der neuen Sänger, Social Media, und auch viele projektbezogene Teams. Allen voran prescht das Leitungsteam, und im Folgenden erklärt Clara, was die so tun:

„Im Leitungsteam haben wir uns dieses Jahr 8-10 Mal getroffen. Wir besprechen in der Regel einmal die noch anstehenden Veranstaltungen im Jahr, versuchen dann zu ermitteln, was der Chor z.B im Sozialen braucht und wie wir mit Aktionen helfen können. Wir versuchen innovativ zu sein und in unseren anderen Teams Unterstützung zu bieten. Das Hauptaugenmerk lag dieses Jahr auf London und wie wir unsere Warteliste bzw. die Zugänge managen. Ich habe das Gefühl, dass wir da eine gute Lösung gemeinsam mit dem Check-in-and-out-Team finden konnten. Als Leitungsteam denken wir oft eher konzeptionell, aber wir sehen langfristig eigentlich immer ob wir mit unseren Ansätzen Erfolg haben. Ich bin sehr gerne im Leitungsteam, weil man selten mit konkreten Aufgaben nach Hause geht, aber dafür viele Impulse einbringen kann.“

SCHWÄBISCHES CHORFEST HEILBRONN

Ende Mai stand das Schwäbische Chorfest für uns an, welches in Heilbronn im Rahmen der Bundsgartenschau stattfand. Wie in Stuttgart und Bretten waren wir auch diesmal von der Partie, sangen mehrere Konzerte und nahmen auch am Wettbewerb des Chorfestes teil. Für Lukas war das aus mehreren Gründen aufregend.

„Es war mein erster großer Auftritt mit dem Chor und ich musste hart arbeiten, um mir die Lieder noch draufzuschaffen. Ich wusste, dass wir nur wenige Bässe sind, und ich war auch noch nicht lange dabei. Im Bus auf der Hinfahrt habe ich mir noch die Tracks alle angehört. Die Mühe hat sich richtig gelohnt. Unseren Auftritt fand ich gut, wir wurden in die zweite Kategorie gewertet, was ich toll und gerechtfertigt fand.
Meine Großeltern wohnen in Heilbronn, sodass ich auch mit ihnen die BuGa besuchen konnte. Das Wetter war gut, wir haben die Atmosphäre genossen, andere Chöre erlebt, spontan in der Fußgängerzone gesungen. Übernachtet haben wir in einer Turnhalle, was gut war für unser Gemeinschaftsgefühl: Mit vielen Chormitgliedern habe ich das erste Mal richtig gequatscht.“

KONZERTE IM ROXY - BREAK THE SILENCE

Nur wenige heiße Wochen nach dem Chorfest war es Zeit für unsere eigenen Konzerte, wie schon in den Vorjahren im Roxy Ulm und ein Highlight im Choriosity-Jahr. Für Louisa waren es die ersten Konzerte, die sie als Choriosity-Alumna von den Publikumsrängen aus erleben durfte. Wie einige andere Ex-Mitglieder ist sie zwar nicht mehr regelmäßig in den Proben, aber bei solchen Ereignissen nicht wegzudenken. Der Chor freut sich mindestens genauso wie unsere Ehemaligen, wenn der Kontakt erhalten bleibt und man bekannte Gesichter immer wieder sieht. Hier berichtet Louisa, wie sich die 2019er Konzerte für sie angefühlt haben:

„Viele, viele Konzerte habe ich mit euch gesungen und die Reaktionen und das Feedback des Publikums jedes Mal live miterlebt, und trotzdem war ich in keinster Weise darauf vorbereitet, wie es tatsächlich sein würde von Choriosity‘s 120-Stimmen-Klanggewalt umgehauen zu werden!
Als Alumna kenne ich die SängerInnen, den Chorleiter und das „Chorios-sein“ sehr gut und nehme die Interaktion und Dynamik auf der Bühne wahrscheinlich ganz anders wahr als manch anderer Zuhörer. Beim Konzert war ich überrascht, wie sehr ich dadurch ein Gefühl von Vertrautheit und Zugehörigkeit gespürt habe, obwohl ich „nur“ im Publikum saß. Gelacht habe ich auch viel – wenn man die Pappenheimer auf der Bühne kennt, macht das die Sache noch viel unterhaltsamer!
Ich hatte erwartet, dass es schwer sein würde nicht mehr mit meinen Leuten dort oben zu stehen, aber von Choriosity besungen zu werden ist fast (aber nur fast) so genial, wie als Teil des Chors aktiv mitzusingen! Es war eine irre Erfahrung, dass das „Choriosity-Feeling“, das ich vom Singen kenne, tatsächlich auch so beim Publikum ankommt!
Der Chor war ein sehr wichtiger und zentraler Bestandteil meiner Zeit in Ulm. Am Ende des diesjährigen Roxy-Konzerts war ich einfach super stolz auf meinen Chor, und bin euch sehr dankbar, dass ich weiterhin ein kleiner Teil dieser großartigen Sache sein kann!“

SCHWÖRKONZERT

Die Proben waren nach unseren Roxy-Konzerten noch nicht abgeschlossen, bei Weitem nicht - dann stand nämlich das Schwörkonzert an, das im Rahmen der Ulmer Schwörwoche jährlich im Münster stattfindet. Friedemann Wieland, der Münsterkantor, war auf Monty zugekommen, und die beiden hatten lange überlegt, wie sie einen Popchor und den Motettenchor im Repertoire und auch im Klang zusammenbringen können. Das Ergebnis war die „Sunrise Mass“ von Ola Giejlo, „Stars“ von Erik Esenvalds, ein gemeinsames „Nearer my God to thee“ sowie zwei Stücke aus dem jeweiligen Chorprogramm. Wir entschieden uns für „Enjoy the Silence“ in einem Satz von Eric Whitacre, das im Vorfeld intensive Proben notwendig machte... Das Dirigat der Messe übernahm Friedemann Wieland, da es auch ein Orchester unterzubringen galt. Und unser Enjoy the silence? Da die Geburt seines Sohnes unmittelbar bevorstand, konnte Monty das nicht so richtig übernehmen. Also führte uns Jeremias durch den durchaus anspruchsvollen Song - vor einem ausverkauften Ulmer Münster. Hier schildert er seine Eindrücke vom Proben, und letztlich vom Konzert.

„Am eindrücklichsten war für mich unser Wandel während der Proben. Am Anfang kamen wir mit Müh und Not durch die klassischen Stücke, am Ende war sich jeder seines Teils im Ganzen bewusst und wir hatten ein besseres Gefühl für die Chorsätze, waren mehr Einheit. Wir haben mehr Musik-„Menge“ in kürzerer Probenzeit erarbeiten müssen, und das auch noch in einem für uns ungewohnten Repertoire. Mit dem Konzert war ich am Ende sehr zufrieden. Die Stücke waren gut für uns und den Motettenchor ausgewählt, wir mussten uns aufeinander zubewegen, aber die Chöre haben gut zusammen funktioniert. Das Dirigat von Enjoy the silence war für mich spannend und ich war beeindruckt, wie gut der Chor trotz räumlicher Ferne und ungewohntem Dirigat meine Stimmungen und Dynamik aufgegriffen hat und sich auf mich eingestellt hat. Ich würde so ein Konzert sofort nochmal mitmachen, ob als Dirigent oder Chorsänger wäre die einzig schwierige Entscheidung.“

PERSÖNLICHES

An sich ist der persönliche Terminkalender unserer Sängerinnen und Sänger allein durch Chor-Aktionen relativ gefüllt. Trotzdem hat jeder ein Privatleben, und manchmal berühren sich die Lebenswelten auch - Bianca hat dieses Jahr geheiratet, und der Chor durfte bei ihrer Trauung zwei Lieder singen.

„Für mich war es sehr wichtig, bei unserer Hochzeit Menschen dabei zu haben, die mir etwas bedeuten. Die Trauung war nur von Menschen gestaltet, zu denen wir eine Verbindung haben. Fix you und Shut up and dance waren Lieder aus dem aktuellen Programm und passen perfekt auf meine Vorstellung von einer Ehe: gegenseitige Unterstützung und die freudigen Momente genießen können. Bei den Gästen kam der Chor super an, viele fragen immer noch, wann unsere Konzerte sind und wollen auch kommen.“

YMCA175 IN LONDON

2019 war auch das Jahr unserer zweiten großen Chor-Reise, und auch diese war wieder etwas Besonderes. 2019 ist nämlich das 175. Jubiläum des Gründungsjahres des YMCA - nein, nicht dieses lustigen Songs mit dem Indianer, sondern des weltweit agierenden Vereins, zu dem wir auch im CVJM Ulm gehören. George Williams gründete den YMCA in London auf der Blackfriars Bridge, und so fand auch das Jubiläumsevent in London statt. Eine Woche lang waren junge Erwachsene aus aller Welt eingeladen nach London zu kommen und sich dort inspirieren zu lassen in TED Talks, Workshops zu besuchen zu allen möglichen Themen wie z.B. Leadership oder Kommunikation, und ihren Glauben und die weltweite Verbundenheit zu leben. Es gab Spaß, Sport, Spiel, und auch drei große abendliche Gemeinschaftsevents, die wir als Chor mitgestalteten. Viele von uns haben das erste Mal den YMCA Weltverband „in action“ erlebt, für andere war es auch das erste Mal Tuchfühlung mit dem CVJM.

Nicht so für Annika, die schon ihr ganzes Leben „Auf die CVJM-Art“ erlebt:

„Meine Verbindung zum CVJM besteht schon immer über meine Eltern, die selbst bei TenSing waren und Freizeiten geleitet haben. Ich selbst war auf Jugendfreizeiten und hab später auch eine Kinderfreizeit mitgeleitet. Das JAM und alle Mitarbeiter haben mich die ganze Schulzeit über als „zweites Zuhause“ nicht nur zum Mittagstisch begleitet. 
Nach dem Abitur habe ich bewusst ein FSJ beim CVJM auf der Insel Spiekeroog gemacht. Aus dieser Zeit habe ich immer noch Freunde, die ich völlig unerwartet und spontan bei YMCA175 getroffen habe. Eine besondere Erfahrung.
Es war ein beeindruckendes Event. So viele Jugendliche und junge Erwachsene aus der ganzen Welt zusammen zu bringen ist besonders und gibt es nur sehr selten. Es war schön zu sehen, dass zwar die Voraussetzungen aller Teilnehmenden unterschiedlich sind/ waren, aber alle durch den YMCA mit oder ohne Glauben verbunden sind. Ich hatte das Gefühl, bei diesem Event konnte jeder er bzw. sie selbst sein.
Unsere Auftritte waren für uns natürlich etwas Besonderes, da zumindest ich noch nie vor so vielen Leuten gesungen habe. Die Begeisterung, die uns dann von „unten“ entgegen kam war unglaublich. Ich glaube, das war auch Teil unseres Beitrags: zu zeigen wie „harmonisch“ man miteinander umgehen kann. ;-)“

Von der ersten Anfrage bis zur eigentlichen Reise war es ein weiter Weg, und viele Personenstunden mussten in das Projekt investiert werden. Noch dazu war abzusehen, dass Monty in der Zeit des Festivals mehr bei seiner frischgebackenen Familie verloren haben wird als auf den britischen Inseln, sodass die Planung und Organisation im Vorfeld niet- und nagelfest sein musste, bzw. klar genug, dass Chormitglieder unseren Leiter für Teile der Reise vertreten können.

Fenja hat in London viele Aufgaben übernommen und mindestens ebenso viel über sich gelernt:

„London war ein emotionales Auf und Ab für mich, aber eine tolle Reise. Wir haben uns im Vorhinein viele Gedanken gemacht, auch weil wir ja große Teile ohne Monty schaffen mussten. Und das hat sich ausgezahlt. Wir waren gut organisiert und man wusste immer wer für was verantwortlich ist. - Und man hatte entsprechend das Team bei dem man sich mal kurz anlehnen konnte, wenn es doch zu viel war :-)
Mein Papa hat früher immer gesagt: „Fenja, es gibt zu jedem Problem immer eine Lösung!“ Auf dieser Reise habe ich das erlebt. Und habe basierend auf dieser Aussage versucht eine gewisse Grundentspanntheit vorzuleben. Außerdem habe ich gelernt, dass man auch delegieren können muss, weil man nicht alle Aufgaben selbst übernehmen kann. Da ist es schön eine Gruppe zu haben, die gerne „Hier“ schreit, wenn es ums Helfen oder kurzfristig unterstützen geht. Als Gruppe haben wir gelernt, dass nicht immer alles so funktioniert, wie man es sich vorgestellt hat. Dann muss man flexibel bleiben und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und professionell bleiben. Ich finde, dass wir das sehr gut geschafft haben.
Und nochmal großes Lob an die Gruppe, sie haben auch bei kurzfristigen Änderungen gut auf uns gehört und das Organisieren leichter gemacht.“

Außerdem gab es auch auf dieser Reise wieder den berühmt-berüchtigten Choriosity-Reiseblog von unterschiedlischsten Autoren, der eine Nachlese wirklich wert ist... :-)
https://choriosity.de/blog/we-are-home-tag-1

PROBENWOCHENENDEN

Zweimal pro Jahr ziehen wir uns für ein Probenwochenende aus Ulm zurück, um intensiv am Programm zu üben und Chorgemeinschaft für 2 Tage intensiv zu leben. Unsere Probenwochenenden (oder ProWos) fanden dieses Jahr in der Jugendherberge in Biberach statt. Seit einiger Zeit hat Jan die Hauptorganisation dieses Wochenendes übernommen.

„Ich organisiere das ProWo immer wieder, weil ich es mega wichtig finde für unseren Chor-Zusammenhalt und auch für die musikalische Arbeit - und weil ich mich dort gut mit meiner persönlichen Stärke (Organisation) einbringen kann, was ich musikalisch leider nicht so kann wie ich es gerne hätte. Und wie an Weihnachten ist es einfach befriedigend, wenn man für Andere etwas tun kann und sie sich darüber freuen und es wertschätzen. Gut erinnern kann ich mich an mehrere Momente, in denen wir alle im Kreis im Raum standen. Einmal zum Aufwärmen, dann beim Proben und ganz am Ende beim Verabschieden. Das ist ein schönes Bild und symbolisiert für mich die Gemeinschaft, die wir am Prowo leben.“

CHORIOSITY IN CONTACT

Unser letztes größeres Event in diesem Jahr war „Choriosity in Contact“ - ein zwangloser Adventsnachmittag im Cafe JAM, den wir nutzten um für die Besucher zwei kleine Auftritte zu singen, Kuchen und Waffeln zu verkaufen und gemütlich zusammen zu sitzen. Der letzte Bericht stammt von Lars und schließt den Kreis: Lars ist erst seit wenigen Wochen Chormitglied und auch für ihn war das - wie für Tessa im Januar - sein erster Chor-Auftritt.

„Viele Lieder wurden gesungen, die ich noch nicht häufig geübt hatte, aber meine Kollegen aus dem Bass haben mich sehr gut unterstützt und ich bin beim Singen mitgekommen. Auch das Choroutfit zu tragen hat mir total gefallen, es hat Stil und man fühlt sich gut darin. Viele Leute waren da und während wir gesungen haben, kamen immer wieder Menschen von der Straße rein, die uns wohl draußen gehört haben. Hoffentlich werden alle Auftritte so, und hoffentlich bin ich dann auch sicherer mit den Liedern - ich habe auf jeden Fall Bock auf mehr.“

Und Bock auf mehr, das hat sicher nicht nur Lars. Auch im neuen Jahr wird es viele Gelegenheiten geben, Choriosity zu erleben: so zum Beispiel unsere Jahreskonzerte, die 2020 erstmals im Winter geplant sind, und der Besuch des Deutschen Chorfests in Leipzig, wo wir als Chor auch wieder am Wettbewerb teilnehmen werden.
Und dabei wird es sicher nicht bleiben.

Um diesen Text zu schreiben, habe ich mit vielen Chormitgliedern gesprochen, mit einigen auch zum ersten Mal, und das hat mir eine beinahe kindliche Freude bereitet. Am liebsten hätte ich Jeden zitiert, und es tut mir leid, dass das etwas den Rahmen gesprengt hätte.
Mir ist wieder einmal klargeworden, was für tolle und einzigartige Choriosity-Gesichter es gibt, die ihre eigenen Choriosity-Geschichten schreiben. Manche mussten wir inzwischen schweren Herzens verabschieden, aber viele neue kommen immer wieder dazu und haben den Stift gerade erst in die Hand bekommen.

Wir sind nicht perfekt. Wir sind musikalisch vielleicht kein High-End-Chor, aber für das, was wir tun, gar nicht übel. Wir sind keine Profis, sondern eine bunte Mischung aller möglichen Leute, die Bock haben, gemeinsam zu singen in Harmonien und manchmal auch in etwas, das Harmonie hätte werden sollen, aber knapp vorbei segelt... Wir starten große Aktionen, manchmal auch unsinnige und wahnsinnige, wir organisieren sie selbst, und dann klappt es mal besser und mal schlechter. Wichtig ist, dass alle Beteiligten Spaß haben und auch die Bruchlandungen mit einem Lächeln wegstecken (wie der große Philosoph Alligatoah sagt: „Willst du sie haben, dann brauchst du Narben“).
(Trotzdem sind wir froh, dass es die selten gibt.)

Klar ist, dass im kleinen Ulm in diesem mittelgroßen Chor für uns große Dinge passieren - und wir freuen uns jetzt schon riesig, Euch 2020 daran teilhaben zu lassen.

Stay tuned!

Und ja, der Text kitschig geworden, geradezu - wait for it, jetzt wird ein Schuh draus - cheesy. Leicht verdaulich ist er aber hoffentlich dennoch, bei all dem Raclettekäse, der uns noch droht...